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Der Mensch
verfügt über ein Atemsystem mit einem effektiven Selbstreinigungsmechanismus
gegenüber verunreinigter Luft. Mit "normalem" Schmutz wird
dieses Filtersystem mühelos fertig und schützt uns ziemlich perfekt.
Aber auf eine übermäßige Belastung, wie vor allem durch aggressive
Stoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide oder Ozon, durch lungengängige
Stäube mit angelagerten toxischen Substanzen wie adsorbierte Säuren,
Schwermetalle, Zigarettenrauch
und Autoabgase oder durch das
geruchlose Atemgift Kohlenmonoxid ist unser Filtersystem nicht eingerichtet.
Die feuchten Oberflächen des Atemtraktes und die Schleimhäute der Augen
stehen in direktem Kontakt mit Luftschadstoffen und bilden daher die
primären Einwirkungsflächen. Reizstoffe wirken meist unmittelbar auf
ihre oberflächlichen Strukturen.
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Eine
langandauernde Exposition kann zur Zerstörung der Schleimhaut mit
irreversiblem Verlust von Flimmerhärchen und der
schleimproduzierenden Becherzellen führen. Der Abtransport
von Schleim mit darin enthaltenen Partikeln bzw. gelösten
Schadstoffen wird beeinträchtigt. In Abhängigkeit von Angriffsort,
Wasserlöslichkeit und Dosis können Reizstoffe unterschiedlich tief
in den Atmungstrakt eindringen und sehr verschiedene
Beeinträchtigungen hervorrufen wie Reizungen oder Entzündungen der
oberen Atemwege, Schleimabsonderungen und Hustenreiz, ebenso
Bronchitis und Entzündungen der Bronchien und des Lungengewebes.
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| Quelle:
Taschenatlas der Umweltchemie, Thieme-Verlag 1996, G. Schwedt, J.
Schreiber (Farbtafeln) |
Partikelförmige
Schadstoffe im Atemtrakt gelangen bis tief in die Lungenperipherie zu
den Lungenbläschen, wenn ihr Durchmesser kleiner als 2µm ist. In den
feinsten Verästelungen der Lunge schleicht sich der Feinstaub heimlich
ins Blut und in die Lympfbahnen. Größere Partikel werden in den oberen
Atemwegen festgehalten und in der Regel durch Flimmerhärchen in einem Selbstreinigungsmechanismus
nach außen befördert. Deponierte Teilchen, die mit Hilfe der
Flimmerhärchen des Atemtraktes in den Verdauungstrakt übertreten,
können dort resorbiert und biologisch wirksam werden.
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In Ballungszentren
inhaliert der Mensch mit jedem Atemzug Millionen von Feinpartikeln,
die kleiner als 10µm sind. Sie bieten aufgrund ihrer zerklüfteten
Struktur eine ideale Oberfläche für die Anlagerung von weiteren
toxischen Substanzen. In Abhängigkeit von den physikalischen und
chemischen Eigenschaften sowie der Einwirkzeit können sie zu
Schädigungen führen wie Husten, vermehrte Infektion der oberen und
unteren Atemwege, Bronchitis, Asthmaanfällen, Schnupfen sowie
Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems und Lungenkrebs. Die
Lungenfunktion wird negativ beeinflusst und die Immunabwehr von
Risikogruppen abgeschwächt. Staub aus besonderen Quellen kann auch
mutagene oder kanzerogene Wirkung haben. |
| Quelle: Toxikologisches
Lexikon zum Umweltchemikalienrecht, Vogel Buchverlag 1996, G.
Schwedt |
Trotz besserer Luft durch Verminderung des Ausstoßes der bisher
überwachten klassischen Luftschadstoffe steigt die Anzahl der
Lungenerkrankungen und die der allergischen Reaktionen weiterhin allgemein
an. Die Fremdstoffe, die
gegenwärtig in der offenen Atmosphäre eine Rolle spielen, sind
Stickoxide, Ozon und Feinstaub mit einer Teilchengröße, die kleiner als
2 µm sind. Im Visier geraten sind zunehmend die allerkleinsten Teilchen,
die kleiner als 0,1µm sind.
| Größenvergleich:
0,05µm, 0,5µm und 5µm große Partikel in Relation zu einem Makrophagen.
Je kleiner der Durchmesser von Fremdstoffteilchen ist, desto
schlechter können Makrohpagen in der Lunge diese
"Eindringlinge" erkennen - so eine Hypothese über die
biologische Wirksamkeit feiner Partikel. |

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Qeulle:
"mensch+umwelt, spezial", 12/1998, GSF-Forschungszentrum
für Umwelt und Gesundheit, J. Heyder
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Die Partikel werden dann
nicht von den Abwehrzellen aufgenommen, sondern können in das
Lungengewebe eindringen und dort entzündliche Reaktionen auslösen.
Sollte sich zeigen, dass die ultrafeinen Teilchen ursächlich an der
Zunahme der Lungenkrankheiten beteiligt sind, ist höchste Aufmerksamkeit
geboten. Denn die ohnehin sehr große Anzahl dieser kleinen Teilchen in
der Atemluft nimmt weiter mit steigendem motorisierten Verkehrsaufkommen
zu.
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