Entwicklungstendenzen


Die Luftreinhaltepolitik der Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren unbestreitbar gute Erfolge auf bestimmten Teilgebieten erzielt. So ist die Immissionsbelastung durch den klassischen Luftschadstoff Schwefeldioxid allgemein weit unter die Grenzwerte zurückgegangen. Dieses positive Resultat konnte infolge flächendeckender Sanierung von industriellen Altanlagen und Kraftwerken sowie durch den verstärkten Einsatz umweltfreundlicher Heizungssysteme beim Hausbrand erreicht werden. Vergleichbar deutliche Reduzierungen konnten auch bei den Stickstoff-Emissionen aus denselben Anlagen nachgewiesen werden, ebenso bei den Staub-Emissionen.

Braunkohlekraftwerk
Quelle:
Bundesumweltministerium

Stammte früher die Luftbelastung vorwiegend von stationären Anlagen aus Industrie, Gewerbe und Haushalt, so entwickelt sich derzeit der motorisierte Straßenverkehr zum Schadstoffverursacher Nummer Eins. 

Autoabgase
Quelle:
Bundesumweltministerium

Obwohl die Abgasemissionen für das Einzelfahrzeug deutlich zurückgegangen sind, wird dieser Effekt durch das erhöhte Verkehrsaufkommen beim Strassengüter-, Individual- und Flugverkehr wieder zunichte gemacht. So zeigt die Gesamtentwicklung für die Schadstoffe Stickstoffdioxid und Schwebstaub in den letzten Jahren nur eine leicht rückläufige Tendenz, wobei sich letztere regional abweichend darstellt infolge von Staubaufwirbelungen z.B. aus verstärkter Bautätigkeit oder durch  Schüttgutumschlag. Erst in den letzten 5 Jahren ist klar geworden, dass die Verminderung der Staubbelastung im wesentlichen auf eine Verminderung bei den gröberen Staubpartikeln zurückzuführen war. In Hinblick auf lungengängige feine bzw. ultrafeine Partikel (aerodynamische Durchmesser unter 2,5 bzw. 0,1 Ám) ist dieser Rückgang sehr viel geringer ausgefallen.

Jahresmittelwerte
Quelle: Umweltbericht 1999 der Thüringer Landesanstalt für Umwelt

Die lufthygienische Belastung der Menschen in Städten und Ballungsgebieten durch Schadstoffe aus der Emittentengruppe des Kraftfahrzeugverkehrs hat in den letzten Jahren aufgrund neuer Erkenntnisse über die krebserregenden Wirkungen von Benzol und Ruß eine große Bedeutung erlangt. Besonders in engen Straßenschluchten mit lückenloser Randbebauung, hoher Verkehrsdichte mit überproportionalem Lkw-Anteil und erhöhter Staubildung besteht die Möglichkeit, dass die Prüfwerte der 23. BImSchV überschritten werden.
Das Schwergewicht der internationalen Forschung hat sich von den traditionellen gasförmigen Luftschadstoffen zum Schwebstaub verlagert, nachdem sich herausgestellt hat, dass Schwebstaubpartikel mit kleinem Durchmesser sehr eng mit den gesundheitlichen Wirkungen verbunden sind. Besonders wichtig für die öffentliche Gesundheit sind vor allem die Auswirkungen einer dauernd erhöhten Luftbelastung.

Der seit vielen Jahren anhaltend dramatische Rückgang der beförderten Gütermengen im gewerblichen Eisenbahnverkehr verbunden mit einer starken Zunahme der Beförderungen im Straßengüterverkehr lassen keine Entlastung der angespannten Situation erwarten. Nach Expertenmeinungen werden sich diese gegenläufigen Tendenzen im Transportwesen mit einer prognostizierten jährlichen Steigerung bis 10 Prozent im Straßengüterverkehr eher verstärken als abschwächen.

Damaschkeplatz in Magdeburg
Quelle: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Notwendig ist die Entkopplung des Wirtschaftswachstums von verkehrsbedingten Umweltbelastungen. Hierbei sind die Industrie und die Politik gefragt, denn schädliche Auswirkungen von Luftschadstoffen können letztlich nur an der Quelle wirksam vermieden werden und dürfen nicht in andere Umweltmedien wie Wasser, Boden und Luft geleitet werden.
Gefragt sind politische Lösungen, die über finanzielle Anreize eine drastische Minderung des Schadstoffausstoßes am Entstehungsort bewirken, wie z.B. durch die Rückverlagerung der Gütertransporte auf die emissionsärmeren Verkehrsträger des Schienen- und Wasserstraßennetzes und die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Dazu zählt auch die weitere Förderung technischer Lösungen, wie z.B. zu alternativen Antriebskonzepten, zu kraftstoffsparenden Kraftfahrzeugkonstruktionen und zur Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren.

Es bedarf ebenfalls gesellschaftspolitischer Entscheidungen, wie die Mobilität als Grundbedürfnis des Menschen im Einklang mit der Umwelt verwirklicht werden kann. Denn Abgasemissionen aus dem motorisierten Verkehr müssen gerade im Hinblick auf gesundheitliche Belastungen absolut vermindert werden.

Windkraftanlage.
Quelle:
Bundesumweltministerium

Die Fortschritte der Technik allein werden  nicht genügen, das Ziel des wirkungsvollen Schutzes der Bevölkerung vor schädlichen Einwirkungen durch Luftschadstoffe zu erreichen. Wir werden nicht umhin kommen, unsere Gewohnheiten im Bezug auf Mobilität und Konsum zu hinterfragen. 

Nahverkehr
Quelle:
Bundesumweltministerium

Das Umweltbundesamt lässt alle zwei Jahre das Umweltbewusstsein der Deutschen einschätzen. Die jüngste repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts zeigt, dass die Wertschätzung gegenüber der Umwelt wieder steigt, diese sich aber nicht im Verhalten der Bürger widerspiegelt. So plädiere eine Mehrheit vor der eigenen Wohnung für eine Tempo-30-Zone, ansonsten wolle man aber zügig fahren.

Da der Mensch, aber auch Tiere und Pflanzen, nur in begrenztem Umfang in der Lage sind, sich auf veränderte Lebensbedingungen kurzfristig umzustellen, ist es daher zwingend geboten, bereits im Wege der Vorsorge Umweltrisiken zu vermeiden bzw. zu minimieren. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, seit acht Jahren Leitbild der Umweltpolitik, nämlich die Umwelt nicht auf Kosten der nachkommenden Generation auszuplündern bzw. zu belasten, ist konsequent und ohne Zeitverlust umzusetzen.
Eine wichtige Etappe in dieser Richtung stellt der Entwurf einer UN-Konvention dar. Die so genannte POP-Konvention (Persistent Organic Pollutants) strebt in der im Mai nächsten Jahres in Stockholm stattfindenden UN-Konferenz das internationale Verbot der zwölf klassischen Dauergifte an. Das so genannte "dreckige Dutzend" stellt allerdings nur die Spitze des Eisberges dar, denn mehrere hundert Chemikalien stehen noch auf der Kandidatenliste.
Weitere Informationen und Hintergründe
Die Dokumentation "Der Verlauf von Luftschadstoffen in Rheinland-Pfalz" als Ergebnis der Luftreinhaltemassnahmen von 1978-1997 " von Dr. Horst Borchert können Sie hier im pdf-Format über Acrobat Reader einsehen.

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